Hallo zusammen,
ich beschäftige mich gerade mit der Frage, ob eine vollständig netzunabhängige Inselanlage mit Stromspeicher für ein Einfamilienhaus sinnvoll sein kann – nicht als Notstromanlage, sondern als bewusster Verzicht auf die Netzeinspeisung.
Hintergrund: Ich möchte verstehen, wie man hier Monitoring und Regelungslogik optimiert. Bisher habe ich mich viel mit Balkonkraftwerken und intelligenten Steuerungen beschäftigt (Shelly-Integration, Lastmanagement), aber bei einer echten Inselanlage gelten ja völlig andere Parameter.
Meine konkreten Fragen:
- Wie dimensioniert man Speicher und PV-Leistung richtig, damit im Herbst/Winter kein Engpass entsteht?
- Gibt es Monitoring-Tools, die speziell für netzunabhängige Systeme ausgelegt sind – oder muss man sich da selbst eine Lösung bauen?
- Macht das wirtschaftlich überhaupt Sinn, wenn man keinen Netzstrom sparen kann, sondern nur selbst verbrauchen muss?
Ich bin weniger an philosophischen Gründen interessiert (Unabhängigkeit, Klimaschutz), sondern eher: Was sind die technischen und kalkulatorischen Fallstricke, die man als Ingenieur übersehen könnte?
Danke für Input!
Das ist eine Frage, die mich selber beschäftigt, seitdem ich mich wieder mit PV befasse. Wenn ich ehrlich bin: Eine vollständige Inselanlage ohne Netzanbindung finde ich für den normalen Hausbesitzer eher unrealistisch.
Wir reden hier von Investitionen, die sich über Jahrzehnte amortisieren – und das ohne die Einspeisevergütung, die ja gerade bei kleineren Anlagen oft der entscheidende Faktor ist. Bei meinen Berechnungen komme ich zu dem Ergebnis, dass selbst eine Speicher-Nachrüstung zu meiner bestehenden Anlage knapp 10-12 Jahre braucht. Eine reine Inselanlage wäre wahrscheinlich das Doppelte.
Vielleicht eine hybride Lösung? Netzanbindung mit Einspeiseregelung behalten, aber gezielt einen größeren Speicher für Notfälle und Eigenverbrauchsoptimierung einbauen? Das ist aus meiner Erfahrung deutlich pragmatischer.
Interessante Frage. Habe mich damit auch auseinandergesetzt, und ehrlich gesagt: Die Wirtschaftlichkeit ist fragwürdig, wenn man keinen Stromverkauf hat.
Zum technischen Aspekt: Du brauchst im Oktober/November realistische Ertragsszenarien. Ich würde hier PVsyst oder Polysun verwenden – beide haben Module für Inselanlagen. Wichtig: DC-Speicher oder AC-gekoppelt? Das beeinflusst deine Verlustrechnung massiv, und in der Realität sind AC-Systeme bei Eigenverbrauchsoptimierung oft effizienter, obwohl die Wirkungsgradtabellen das Gegenteil suggerieren.
Monitoring: Standard-Tools wie SMA Sunny Portal oder Victron VRM sind hier deine Freunde. Victron-Wechselrichter (MultiPlus-Serie) ermöglichen sehr granulares Lastmanagement, das kannst du via Modbus feinregeln – habe ich ausführlicher in meinem früheren Thread zu Smart-Home-Integration beschrieben.
Die unbequeme Wahrheit: Bei aktuellen Speicherkosten (~600-800€/kWh) und ohne Einspeisevergütung brauchst du extrem hohe Eigenverbrauchsquoten, damit sich das rechnet. Rechne eher 15+ Jahre Amortisation.