Hallo zusammen,
ich beschäftige mich seit längerem mit dem Thema Mieterstrom und möchte jetzt konkret werden. Mein Mehrfamilienhaus (6 Parteien) hat ein gutes Süddach, und mehrere Mieter interessieren sich tatsächlich für günstigeren Strom. Nur: Bei der Recherche nach seriösen Anbietern bin ich etwas überfordert.
Es gibt ja verschiedene Modelle – manche Anbieter betreiben die Anlage selbst und kümmern sich um alles, andere wollen, dass ich als Eigentümer die Verantwortung trage. Die Preise liegen zwischen 28 und 42 Cent pro Kilowatt, die Verträge sind unterschiedlich lang strukturiert.
Was muss ich konkret überprüfen, bevor ich einen Vertrag unterzeichne? Worauf sind mir in 15 Jahren PV-Erfahrung schon häufig Fehler aufgefallen, die man vorher hätte sehen können? Gibt es Punkte, bei denen Anbieter gerne "clever" werden?
Ich möchte das richtig machen und keine bösen Überraschungen später.
Werner, wichtig ist, dass du die technische Seite und die kaufmännische Seite getrennt betrachtest. Bei der Anbieterauswahl würde ich folgende Punkte abfragen:
1. **Betreibermodell**: Wer haftet für Wartung und Versicherung? Das ist entscheidend. Wenn der Anbieter alles übernimmt, zahlst du dafür – überprüf, ob die Gebühr angemessen ist.
2. **Strompreis-Struktur**: Ist der Preis über 20 Jahre garantiert oder kann er angepasst werden? Achte auf versteckte Escalation-Klauseln.
3. **Messtechnik**: Wer zahlt für die zusätzliche Messtechnik und Zählerkommunikation? Das kostet schnell 3.000–5.000 Euro. Frag, ob das im Preis enthalten ist oder nachgelagert kommt.
4. **Mieterkündigung**: Können Mieter einfach kündigen, wenn der Strom zu teuer wird? Das Ausfallrisiko ist real.
5. **Versicherung und Betriebshaftung**: Wer trägt die Last, wenn die Anlage Schaden verursacht?
Forder Referenzen an und sprich mit mindestens zwei Eigentümern, die bereits mit dem Anbieter arbeiten. Das ist der beste Reality-Check.
Da muss ich kritisch einwenden: Die Anbieter verkaufen dir heute oft ein Modell, das in der Praxis deutlich weniger Ertrag bringt als kalkuliert. Der Grund ist einfach – sie setzen Auslastungsgrade voraus (80–90% der Mieter nehmen Strom ab), die realistisch nie erreicht werden. Wenn nur 60% der Mieter nach 2 Jahren noch dabei sind, bricht die Wirtschaftlichkeit zusammen.
Ganz wichtig: Frag den Anbieter nach seinen eigenen Referenzen mit echter Auslastungshistorie, nicht nur nach Hochrechnungen. Und – das ist der Punkt, den niemand gerne bespricht – überprüf vertraglich, ob der Anbieter seine Gebühren auch senken kann, wenn die Auslastung sinkt. Meist sieht es so aus: Du schuldest dem Anbieter eine Mindestgebühr, egal wie viele Mieter noch dabei sind.
Das ist das Risiko, das man trägt.