Hallo zusammen,
ich steh gerade vor einem Problem bei meiner Planung und komme nicht wirklich weiter. Mein Dach hat zwei nutzbare Flächen: Südseite mit Platz für 10 Module (je 420 Wp) und Westseite mit nur 6 Modulen gleichen Typs. Macht also String 1 mit 4200 Wp und String 2 mit 2520 Wp – und jetzt bin ich unsicher, wie ich den Wechselrichter richtig dimensioniere.
Die Frage ist konkret: Muss ich bei unterschiedlichen String-Längen zwingend einen Wechselrichter mit zwei separaten MPP-Trackern nehmen, oder geht das auch mit einem einzelnen Tracker wenn die Spannungsbereiche passen? Ich hab verschiedene Aussagen dazu gelesen, teilweise widersprechen die sich komplett.
Ein Installateur meinte, ich könnte beide Strings parallel schalten wenn die Leerlaufspannungen gleich sind (gleicher Modultyp), aber dann würde der schwächere String den stärkeren ausbremsen. Ein anderer sagte, das sei kein großes Problem bei Südwest-Kombination. Wer hat Recht?
Zusätzlich: Ich plane für den Sommer auch eine Klimaanlage mit anzuschließen, die Dimensionierung sollte also eh eher großzügiger ausfallen. Bin für konkrete Hinweise dankbar, idealerweise mit Erfahrungswerten aus der Praxis. Was habt ihr bei ähnlichen Dachsituationen gemacht?
Guten Tag,
die Frage nach den String-Längen taucht immer wieder auf und ich kann aus eigener Erfahrung sagen: Zwei separate MPP-Tracker sind in Ihrer Situation eindeutig die sicherere Wahl, und ich würde auch nichts anderes empfehlen.
Wenn Sie beide Strings parallel schalten, haben Sie zwar identische Leerlaufspannungen (weil gleicher Modultyp), aber unterschiedliche Kurzschlussströme. Der MPP beider Strings liegt dann nicht am gleichen Punkt, und ein einzelner Tracker muss zwangsläufig einen Kompromiss fahren. In der Praxis bedeutet das Verluste, die je nach Ausrichtungsunterschied zwischen Süd und West schon mal 5-10% ausmachen können – und im Sommer, wenn die Westseite nachmittags noch produziert, während die Südseite schon unter dem Dach verschattet ist, wird das besonders deutlich.
Ich hatte letzten Winter einen ähnlichen Thread dazu verfolgt, das Thema Ertragsverluste bei suboptimaler Konfiguration ist wirklich nicht zu unterschätzen, wie ich auch hier bei der Energiebilanz-Diskussion schon angemerkt hatte.
Für Ihren konkreten Fall: Ein Wechselrichter mit zwei unabhängigen MPP-Eingängen, z.B. im Bereich 5-6 kW AC-Leistung, sollte passen. Die Klimaanlage separat davon betrachten, die läuft ja nicht dauerhaft auf Vollast.
Guter Punkt von T.Bergmann zur Spannung, das wird echt oft vergessen. Ich seh das aber so: für 6,7 kWp brauchst du keinen riesigen WR, 6 kW reichen völlig. Der erste Installateur hatte übrigens nicht ganz Unrecht – parallele Strings GEHEN technisch, aber du verschenkst halt Ertrag. Ob das wirtschaftlich relevant ist hängt davon ab wieviel die Lösung mit zwei Trackern mehr kostet. Manchmal ist die Preisdifferenz so gering dass sich der bessere WR sofort rechnet, manchmal nicht. Kurz rechnen lassen würd ich das auf jeden Fall bevor du kaufst.
Ich bin zwar noch nicht so erfahren mit der ganzen Materie (hab mich erst kürzlich mit Amortisationszeiten beschäftigt), aber eine Frage hab ich trotzdem: Spielt es eine Rolle welcher Hersteller beim Wechselrichter gewählt wird, also ob z.B. die MPP-Tracker unterschiedlich gut performen? Oder ist das bei Markengeräten egal?
Und macht es einen großen Unterschied ob man 6 oder 10 Module auf einem Tracker hat, also rein von der Regelgenauigkeit her?
Um die Frage von SolarNeuling29 kurz mitzubeantworten: Ja, es gibt durchaus Qualitätsunterschiede bei der MPP-Regelgeschwindigkeit zwischen den Herstellern, aber für die meisten Privatanlagen ist das kein entscheidender Faktor. Bei wechselnder Bewölkung kann ein schnellerer Tracker schon ein paar Prozent mehr rausholen, aber das sind keine Riesensummen.
Zum eigentlichen Thema: Ich würde dem Fragesteller empfehlen, konkret auf den Spannungsbereich zu achten. 10 x 420 Wp Module in Reihe ergeben je nach Modultyp eine MPP-Spannung von vielleicht 370-400V, bei 6 Modulen entsprechend weniger, so ungefähr 220-240V. Beide Strings müssen innerhalb des MPP-Spannungsfensters des Wechselrichters liegen – das ist genauso wichtig wie die Tracker-Frage. Ich hab das bei meiner eigenen 10 kWp Planung damals durchgerechnet, wie ich auch in diesem Thread kurz erwähnt hatte – die Spannungsauslegung ist oft der Punkt wo Fehler passieren.
Also konkret: Datenblatt des Wechselrichters raussuchen, MPP-Spannungsbereich beider Tracker prüfen, und dann erst bestellen.