Hallo zusammen,
ichmal eine Frage die mich schon länger beschäftigt, bevor ich mich für meine geplante Vollanlage entscheide: Ich überlege nämlich ob es sinnvoll wäre, schon jetzt mit einem Balkonkraftwerk anzufangen um ein bisschen ein Gefühl für die ganze Sache zu kriegen.
Jetzt sehe ich aber dass es da ja riesige Unterschiede bei den Modulen gibt – von 300W pro Modul bis hoch zu 430W oder sogar mehr. Bei zwei Modulen wäre das also alles zwischen 600W und fast 900W Gesamtleistung. Die Frage ist: Macht es aus technischer Sicht überhaupt Sinn, die größten verfügbaren Module zu nehmen, wenn der Wechselrichter eh auf 800W limitiert ist (oder aktuell sogar noch auf 600W je nach Anschlussnetzbetreiber)?
Ich frag mich auch, ob große Module irgendwelche Nachteile bei der Installation haben die ich als Laie nicht auf dem Schirm hab. Platz wäre bei mir auf dem Balkon eher knapp, ich hab nur eine Seite die wirklich gut Richtung Süden zeigt.
Außerdem: Gerade im Sommer mit der aktuellen Hitze – produzieren die größeren Module da eigentlich mehr oder regeln die genauso früh runter wie kleinere bei Wärme?
Ich bin eigentlich IT-ler und denk da immer gerne in Systemen, aber bei PV bin ich noch ziemlicher Einsteiger. Freue mich über praktische Erfahrungen!
Danke schon mal,
Stefan
Hi Stefan,
interessante Frage, hab mich das auch schon gefragt als ich damals mit Balkonkraftwerk + Wallbox rumgespielt hab (dazu hab ich hier schon mal was geschrieben).
Kurz gesagt: Größere Module machen durchaus Sinn, auch wenn der Wechselrichter bei 800W gedeckelt ist. Der Grund ist simpel – durch MPP-Tracking und den Temperatureffekt im Sommer bist du mit etwas überdimensionierten Modulen oft trotzdem näher an der Maximalleistung, weil die Module bei Hitze sowieso nicht ihre Nennleistung bringen. Wenn du also zwei 430W-Module nimmst, wirst du an einem heißen Julitag vielleicht nur 680-720W Ertrag sehen, und der Wechselrichter ist dann optimal ausgelastet statt unterfordert.
Das mit dem Platzbedarf ist allerdings real. Größere Module sind auch physisch größer, das klingt banal aber man unterschätzt das schnell. Wenn dein Balkon eng ist, kann ein 430W-Modul schon deutlich unhandlicher sein als ein 380W-Modell. Da würd ich wirklich vorher nachmessen.
Für deinen Use Case als Einstieg vor der Vollanlage würd ich pragmatisch rangehen: Nimm was auf deinen Balkon passt und nicht unbedingt das größte verfügbare.
Ich bin zwar selbst noch Anfänger aber das mit den 800W Limit hab ich letzte Woche erst gelesen – solange der Wechselrichter passt kannst du die Module eigentlich so groß nehmen wie sie auf den Balkon passen oder? Der Wechselrichter regelt doch eh alles was drüber ist einfach ab.
Stefan, da kann ich aus Erfahrung was beitragen. Ich beschäftige mich seit meiner Rente intensiv mit dem Thema und hab verschiedene Konfigurationen beobachtet.
Der Punkt mit der Hitze ist tatsächlich relevant. Module verlieren bei hohen Temperaturen Leistung – das ist physikalisch unvermeidbar, der sogenannte Temperaturkoeffizient. Bei einem 430W-Modul und 40 Grad Modultemperatur (was im Juli realistisch ist) können das schon 15-20W weniger sein als beim 380W-Modul. In der Summe landet man da also oft gar nicht so weit auseinander wie man denkt.
Was ich aber grundsätzlich empfehlen würde: Schau dir genau an welche Abmessungen die Module haben und ob die wirklich sicher auf deinem Balkon befestigt werden können. Gerade bei größeren Modulen ist das Gewicht und der Windwiderstand nicht zu unterschätzen – ich hab dazu im Thread über Installationszeitpunkte im Sommer auch schon was erwähnt, ist aber ein anderes Thema.
Für einen IT-ler wie dich wäre vielleicht auch interessant: Schau ob der Wechselrichter Monitoring-Daten liefert, damit kannst du dann wirklich sehen was deine Anlage macht und Rückschlüsse für die spätere Vollanlage ziehen. Das ist eigentlich der wertvollste Teil an so einem Balkonkraftwerk als Einstieg.