Moin zusammen,
ich beschäftige mich schon länger mit der Frage, wie man eine smarte Wallbox wirklich sinnvoll mit dem PV-Überschuss koppelt. Theoretisch klingt es super: Anlage produziert mehr, als man verbraucht → Wallbox lädt das Auto. Praktisch aber stellt sich mir eine kritische Frage, die ich in bisherigen Diskussionen nie wirklich beantwortet gesehen habe.
Wie berechnet ihr den Überschuss, ab dem die Wallbox überhaupt anspringen soll? Viele Anbieter werben ja damit, dass ihre Systeme den Überschuss "automatisch nutzen", aber:
- Rechnet ihr den Eigenverbrauch der Anlage selbst raus?
- Wie lange muss der Überschuss stabil anliegen, damit es wirtschaftlich ist, die Wallbox zu starten?
- Im Herbst/Winter: Wie oft habt ihr wirklich nennenswerte Überschüsse, die zum Laden reichen?
- Zählt ihr Netzentnahmen für die Nachladung mit ein, oder ist das ein Ausschlusskriterium?
Ich will da keine optimistische Hochrechnung, sondern echte Erfahrungswerte. Vielleicht hat jemand von euch eine Wallbox mit solcher Logik und kann berichten, wie das in der Praxis läuft – gerade jetzt im Herbst, wenn die Sonne langsam weniger wird.
Markus R.
Guter Punkt, Markus. Ich plane gerade eine 10-kWp-Anlage mit 10-kWh-Speicher und 11-kW-Wallbox. Was ich dabei gelernt habe: Die meisten Standard-Lösungen nutzen einfach die Wirkleistung vom Wechselrichter, ziehen pauschal 200-300W für Hauslast ab und starten dann die Wallbox. Das ist aber totaler Unsinn im Herbst, wenn die Cloudformation ständig wechselt.
Ich setze auf Home Assistant mit lokalem Monitoring (SMA Energy Meter) – da kann ich mit echten Zählerwerten arbeiten und auch Toleranzfenster definieren. Erst wenn der Überschuss 30 Minuten über 2 kW liegt, startet die Wallbox. Das verhindert ständiges An- und Ausschalten.
Die Wirtschaftlichkeit im Herbst: Ehrlich? Gering. Aber kombiniert mit dem Speicher macht es Sinn. Der Speicher lädt zuerst bei Überschuss, und wenn der voll ist und noch 3+ kW über 15 Min. anfallen, dann lädt die Wallbox. Ohne Speicher würde ich mir das sparen – zu selten nennenswerte Überschüsse.
Hast du schon konkrete Hardware im Auge?
Marcus K.
Nach meiner Rückkehr ins Forum merke ich, dass sich da einiges getan hat. Zu deiner Frage konkret aus Installationspraxis: Die smarten Wallboxen, die ich derzeit verbaue, arbeiten mit verschiedenen Steuerungskonzepten.
Die verlässlichste Lösung ist immer noch, einen separaten Smart-Meter zwischen Hauptzähler und Hausverteilung einzubauen – dann hast du den echten Bidirektional-Strom und kannst davon ableiten. Viele Anlagen nutzen nur Wechselrichter-Ausgänge, das ist aber zu fehleranfällig.
Zum Thema Überschussdefinition: Im Herbst muss man realistisch sagen – ohne Speicher ist das Laden über PV-Überschuss eher Nebeneffekt als Hauptfunktion. Im Sommer ok, aber jetzt? Die Toleranzbandbreite sollte nicht unter 500W liegen, sonst dreht sich deine Wallbox alle 10 Sekunden ein und aus. Das verschleißt die Elektronik und ist für den Netzanschluss auch doof.
T.Bergmann25