Hallo zusammen,
ich bin gerade dabei, meine 8 kWp-Anlage zu planen und beschäftige mich intensiv mit der optimalen Ausrichtung und Modulauswahl. Jetzt kommt aber eine neue Überlegung dazu: Meine alte Ölheizung muss in den nächsten 2-3 Jahren raus, und ich überlege, ob ich direkt eine Wärmepumpe kombiniert mit der PV installieren soll.
Mein Problem: Ich finde nirgendwo eine realistische Kalkulation dafür. Überall lese ich "synergistisch" und "optimal kombiniert", aber konkrete Zahlen? Fehlanzeige. Meine Fragen:
1. Wie berücksichtige ich die saisonale Schwäche (Winter = wenig PV, aber hoher Heizwärmebedarf)? Das ist doch eher kontraproduktiv?
2. Macht ein Speicher Sinn dazu, oder ist das finanzielle Overkill für mein Einfamilienhaus?
3. Wie unterscheidet sich die Amortisation von "nur PV" zu "PV + WP"?
4. Habt ihr Erfahrung mit realistischen Payback-Zeiten für diese Kombination?
Ich möchte keine Marketing-Versprechungen, sondern ehrliche Erfahrungen. Was habt ihr wirklich gerechnet?
Danke!
Hi Julian,
du sprichst da einen wichtigen Punkt an, den viele unterschätzen. Das saisonale Mismatch ist tatsächlich real – Wärmepumpen brauchen im Winter am meisten Strom, die PV liefert dann am wenigsten. Das bedeutet: Im Winter zahlt die WP praktisch den Griddurchschnittspreis, da nutzt dir die eigene PV nicht viel.
Für die realistische Kalkulation brauchst du drei Ebenen:
**1. Jahresarbeitszahl (JAZ):** 3,0-3,5 ist realistisch für eine gute Luft-WP, nicht 4,5 wie manche versprechen. Das gilt besonders bei älteren Häusern.
**2. Eigenverbrauch separate rechnen:** Deine PV-Ertrag im Sommer nutzt du für Haushalt + evtl. Brauchwasser. Die Heizung im Winter muss zu 70-80% zugekauft werden – rechne da nicht mit "Synergien".
**3. Speicher:** Für WP + PV ist ein Speicher meist wirtschaftlich ungünstiger als bei reiner PV. Ein 10-kWh-System kostet schnell 8-10k€ brutto, amortisiert sich aber wegen der saisonalen Verschiebung erst nach 10-12 Jahren.
Mein Tipp: Kalkuliere zuerst die 8 kWp separat mit realistischem Eigenverbrauch (ca. 35-40%). Dann rechne die WP getrennt mit Strompreiserwartungen für 15 Jahre. Wenn beide Einzelinvestitionen Sinn machen, passt die Kombination.
Wann willst du denn bauen?
Joa, bei mir in der Hütte keine WP im Einsatz, aber das Winter-Problem kennst du auch beim Off-Grid – Winter ist einfach knapp. Speicher brauchst du dann, und das wird teuer. Bei dir im Netz ist es anders, du kannst im Winter einfach zukaufen. Meine Erfahrung: Wärmepumpe lohnt sich ab einer gewissen Sanierungstiefe, nicht weil die PV hilft, sondern weil die WP selbst billiger Wärme macht als Öl oder Gas – mit oder ohne PV. Die PV ist dann eher das Extra-Sahnehäubchen für den Sommer.