Hallo zusammen,
ich bin seit Juni im Ruhestand und habe mir endlich Zeit genommen, mich richtig mit meiner 600W-Balkonanlage zu beschäftigen. Jetzt bin ich bei der Planung einer zweiten Anlage und stockere überall verschiedene Meinungen auf.
Meine erste Anlage hat einen String-Wechselrichter und läuft bislang stabil. Jetzt frage ich mich aber: Soll ich bei der zweiten Anlage einen Mikrowechselrichter pro Modul nehmen oder wieder einen Modulwechselrichter? Ich lese überall, dass Mikrowechselrichter bei Verschattung besser sein sollen, aber die sind ja auch teurer in der Anschaffung.
Bei mir auf dem Südbalkon im Herbst wird es ab etwa 15 Uhr schattig vom Nachbarbalkon. Meine Frage: Macht es wirtschaftlich Sinn, da in Optimierer oder Mikrowechselrichter zu investieren? Oder amortisiert sich das bei einer kleinen Anlage überhaupt nicht?
Ich möchte keine blumigen Versprechungen, sondern realistische Zahlen. Was habt ihr für Erfahrungen gemacht?
Danke!
Gute Frage, Helmut! Ich beschäftige mich gerade intensiv mit der Systemintegration von Mini-PV und Energiemanagementsystemen – da spielen solche Entscheidungen auch eine Rolle.
Bei deinem Setup würde ich folgendes analysieren: Der Kostenvorteil eines Modulwechselrichters fällt schnell weg, wenn die Verschattung ab 15 Uhr dich systematisch ausbremst. Mikrowechselrichter bieten da echte Optimierungen pro Modul. Allerdings: Die Mehrkosten (ca. 100–150€ pro Microwechselrichter) müssen sich über erhöhte Erträge amortisieren.
Faustregel: Bei 3–4 Stunden täglicher Teilenverschattung und einem Ertragsverlust von 15–25% kann sich ein Optimierer rechnen. Bei nur 1–2 Stunden eher fragwürdig.
Mein Tipp: Tracke deine erste Anlage noch ein, zwei Monate parallel mit deinen tatsächlichen Verbrauchswerten. Dann hast du belastbare Zahlen für die Entscheidung. Willst du mehr über intelligente Laststeuerung wissen, schau mal in meinen älteren Thread zur Wallbox-PV-Kopplung – da geht's auch um solche Details.
Markus S. hier – und ich muss ehrlich sagen: Bei deinem Fall bin ich skeptisch, dass Mikrowechselrichter das Geld wert sind.
Wir reden von 600W mit nur 2–3 Stunden Schattenwurf pro Tag. Das sind vielleicht 10–15% Ertragssteigerung, wenn überhaupt. Bei aktuellen Strompreisen und der saisonalen Reduktion im Herbst/Winter noch weniger.
Der Knackpunkt: Du zahlst 200–300€ extra für zwei Mikrowechselrichter. Bei einer angenommenen Ertragssteigerung von 50–80 kWh/Jahr (realistisch für deine Situation) sparst du vielleicht 15–20€ pro Jahr. Rechnung geht nicht auf – zumindest nicht in den nächsten 10–15 Jahren.
Mein Rat: Nimm wieder einen günstigen Modulwechselrichter und akzeptier die Schattenwürfe. Nutze das gesparte Geld lieber für deine Anlage später neu auszurichten oder für Monitoring. Siehe auch mein anderer Thread zur realistischen Amortisation – da geht's um genau solche Fragen.