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Smart Grid Ready beim WR - was bedeutet das wirklich in der Praxis?

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R.Hartmann66
Beiträge: 6
Themenstarter
(@r-hartmann66)
Active Member
Beigetreten: Vor 3 Monaten
[#118]

Hallo zusammen,

ich plane gerade den Austausch meines alten Wechselrichters und stoße bei der Recherche immer wieder auf den Begriff "Smart Grid Ready". Die Hersteller werben damit, aber ich verstehe ehrlich gesagt nicht genau, was das im Alltag bedeutet und ob das für mich überhaupt relevant ist.

Mein Hintergrund: Ich habe eine 9,8 kWp Anlage auf dem Einfamilienhaus, Baujahr 2019, mit Speicher (10 kWh). Seit einiger Zeit lese ich, dass die Netzbetreiber zunehmend fordern, dass Wechselrichter auf Signale vom Netz reagieren können – also zum Beispiel die Einspeisung drosseln oder den Eigenverbrauch hochfahren, wenn das Netz es braucht.

Jetzt meine konkreten Fragen:
- Welche technischen Voraussetzungen muss ein WR dafür mitbringen? Reicht ein Rundsteuerempfänger oder braucht man eine echte Kommunikationsschnittstelle (z.B. CLS, SG-Ready)?
- Gibt es schon Netzbetreiber in Deutschland, die das aktiv einsetzen?
- Macht es Sinn, jetzt auf einen "zukunftssicheren" WR zu setzen, oder ist das noch Zukunftsmusik und ich überbezahle für Features, die ich nie brauche?

Gerade im Sommer, wo die Anlage auf Hochtouren läuft und ich viel einspeise, wäre es natürlich interessant zu wissen, ob ich davon irgendwann profitieren könnte – oder ob mir das nur Probleme macht (Drosselung genau dann, wenn die Sonne scheint).

Freue mich auf eure Erfahrungen und Einschätzungen!

Gruß, R. Hartmann


3 Antworten
T.Hoffmann13
Beiträge: 6
(@t-hoffmann13)
Active Member
Beigetreten: Vor 3 Monaten

Kurz zusammengefasst: CLS-Schnittstelle (controllable local systems) nach VDE-AR-N 4105 ist der aktuelle deutsche Standard für genau das was du beschreibst. Wenn der neue WR das hat, bist du auf der sicheren Seite – alles andere ist Hersteller-Bingo.


Antwort
H.Weber55
Beiträge: 6
(@h-weber55)
Active Member
Beigetreten: Vor 3 Monaten

Ich seh das ehrlich gesagt ein bisschen skeptischer als T.Hofmann.

Ja, die Anforderungen kommen – das steht fest. Aber "zukunftssicher" ist ein Marketingbegriff den jeder Hersteller anders befüllt. Ich hab letzten Winter viel Zeit damit verbracht meine Energiebilanz zu analysieren (hab da auch im Forum drüber geschrieben), und was mir dabei aufgefallen ist: Die wenigsten Anlagenbesitzer wissen überhaupt, wie ihr bestehender WR ans Netz kommuniziert.

Der entscheidende Punkt ist doch: Was fordert dein konkreter Netzbetreiber heute, und was planen die für die nächsten 3-5 Jahre? Das erfährst du nur, wenn du dort direkt anfragst. Manche Netzbetreiber haben da schon klare Roadmaps, andere wissen selbst noch nicht wo die Reise hingeht.

Einen WR wegen Smart-Grid-Features aufzupreisen macht in meinen Augen nur dann Sinn, wenn die Schnittstelle auch wirklich offen und dokumentiert ist – also nicht proprietär. Sonst zahlst du für ein Feature das du nie nutzen kannst weil der Netzbetreiber ein anderes Protokoll einsetzt.


Antwort
T.Hofmann
Beiträge: 15
(@t-hofmann)
Active Member
Beigetreten: Vor 3 Monaten

Hallo R. Hartmann,

da hast du ein Thema angesprochen, das momentan wirklich relevant wird. Ich hab mich damit auch beschäftigt, als ich hier im Forum über die richtige Anlagengröße diskutiert hab – da kommen solche regulatorischen Fragen früher oder später immer auf.

Zum Kern deiner Frage: "Smart Grid Ready" ist leider kein einheitlich definierter Begriff. Manche Hersteller meinen damit nur einen einfachen Eingang für ein digitales Steuersignal (SG-Ready wie bei Wärmepumpen), andere haben tatsächlich vollwertige Kommunikationsschnittstellen (Modbus, SunSpec, manchmal auch CLS nach VDE-AR-N 4105).

Der Rundsteuerempfänger ist das alte System – funktioniert, aber unidirektional und unflexibel. Moderne Netzbetreiber gehen zunehmend in Richtung direkter IP-Kommunikation (Steuerbox/CLS-Empfänger). Einige Netzbetreiber in Bayern und BW setzen das laut meiner Recherche schon testweise ein, flächendeckend ist es aber noch nicht.

Mein Rat: Achte beim neuen WR darauf, dass er einen CLS-Eingang oder einen Modbus-TCP-Anschluss hat. Das kostet oft nicht viel mehr, und wenn die Anforderungen kommen, bist du vorbereitet. Ob du je aktiv davon profitierst (z.B. durch variable Vergütung), hängt davon ab, ob dein Netzbetreiber solche Programme anbietet.

Die Drosselung bei Hochsommer ist übrigens ein reales Risiko – das sollte man nicht kleinreden.


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