Moin zusammen!
Ich steh gerade vor einer Entscheidung und bin unsicher. Hab zwei Angebote für Wechselrichter bekommen - einer mit 95% Wirkungsgrad für 850€, der andere mit 98% für 1.200€. Meine Anlage soll 6,5 kWp werden.
Der Installateur meint, die 3% Unterschied merkt man kaum. Aber 3% von 6.500 Wp sind ja immerhin fast 200W weniger Leistung beim günstigeren. Über 20 Jahre summiert sich das bestimmt ordentlich?
Hab mal grob gerechnet: Bei 1000 kWh/kWp im Jahr wären das bei 6,5 kWp etwa 6.500 kWh. 3% davon sind 195 kWh weniger pro Jahr. Bei 25 Cent Vergütung wären das knapp 49€ weniger pro Jahr. Über 20 Jahre also fast 1.000€ Unterschied!
Oder rechne ich da falsch? Der Preisunterschied sind nur 350€, aber der Ertragsverlust über die Laufzeit wäre viel höher. Andererseits ist der günstigere WR von einem etablierten Hersteller, also Qualität sollte passen.
Wer hat Erfahrungen mit solchen Wirkungsgrad-Unterschieden? Merkt man die in der Praxis wirklich oder ist das nur Theorie?
Danke schon mal!
Hi Tim,
deine Rechnung ist grundsätzlich richtig, aber du übersiehst ein paar Punkte. Der Wirkungsgrad wird nur bei optimalen Bedingungen erreicht - in der Praxis liegen beide WR oft niedriger. Außerdem ist der Wirkungsgrad lastabhängig.
Ich hab das bei meiner Anlage auch durchgerechnet, als ich letztes Jahr erweitert hab. Bei niedrigen Lasten am Morgen/Abend ist der Unterschied zwischen den WR oft größer als die 3%. Da kann der "schlechtere" sogar besser sein, wenn er bei Teillast effizienter arbeitet.
Mein Tipp: Schau dir die Wirkungsgradkurven über den gesamten Lastbereich an, nicht nur den Peak-Wert. Und vergiss nicht, dass auch die Lebensdauer eine Rolle spielt. Wenn der teurere WR nach 15 Jahren schlapp macht und der günstigere 20 Jahre hält, sieht die Rechnung wieder anders aus.
Servus Tim,
aus meiner Sicht machst du dir zu viele Gedanken. 3% Unterschied beim Wirkungsgrad sind in der Praxis oft gar nicht messbar, weil so viele andere Faktoren reinspielen.
Ich hatte vor ein paar Jahren ein ähnliches Problem bei der Messung meiner Anlage und hab gelernt, dass die theoretischen Werte oft wenig mit der Realität zu tun haben.
Verschattung, Temperatur, Degradation der Module - das alles hat viel größeren Einfluss als die paar Prozent beim WR. Bei mir schwankt der Jahresertrag wetterbedingt um 15-20%, da fallen die 3% gar nicht ins Gewicht.
Ich würde den günstigeren nehmen und das gesparte Geld lieber in bessere Module oder Monitoring investieren. Das bringt mehr als ein minimal effizienterer WR.
Hallo Tim,
interessante Fragestellung! Ich sehe das etwas anders als Thomas. Bei einer größeren Anlage wie deiner können die 3% durchaus relevant werden, besonders jetzt im Sommer wo die Anlagen richtig performen.
Bei mir läuft gerade die 6 kWp Anlage auf Hochtouren und da merkst du jeden Prozentpunkt. Gerade wenn man bedenkt, dass wir bald in den Urlaub fahren und die Anlage dann voll einspeisen muss - da zahlt sich jeder Prozent Effizienz aus.
Deine Rechnung ist schon realistisch. Allerdings würde ich noch die Degradation mit einrechnen. Über 20 Jahre verlieren die Module etwa 15-20% Leistung, dann wird der effizientere WR noch wichtiger.
Mein Rat: Nimm den besseren WR, die Mehrkosten amortisieren sich definitiv.
Die Rechnung ist zu simpel gedacht.
Wirkungsgrad ist nicht gleich Wirkungsgrad - das hab ich bei meinen Tests gesehen. Der eine WR hat vielleicht 98% bei Volllast, aber nur 85% bei 10% Last. Der andere hat 95% bei Volllast, aber 92% bei Teillast.
Gerade morgens und abends, wenn wenig Sonne da ist, läuft dein WR oft im Teillastbereich. Und da kann der "schlechtere" WR plötzlich effizienter sein.
Außerdem: 98% Wirkungsgrad bedeutet 2% Verluste als Wärme. Bei 6,5 kW sind das 130W Abwärme. Im Sommer kann das zu Problemen führen, wenn der WR zu warm wird und abtaktet.