Ich plane gerade meine PV-Anlage und bin beim Thema Wechselrichter über die angebotenen Garantieverlängerungen gestolpert. Standardmäßig bekommt man meist 5 Jahre, gegen Aufpreis lässt sich das auf 10, manche bieten sogar 20 Jahre an. Die Preise dafür sind nicht ohne – je nach Hersteller und Gerät reden wir von mehreren Hundert bis über tausend Euro Aufpreis.
Ich frage mich: Ist das wirtschaftlich wirklich sinnvoll oder verkaufen uns die Hersteller damit schlicht eine weitere Gewinnmarge?
Meine Überlegung: Wenn ein Wechselrichter in den ersten 5 Jahren nicht ausfällt, was statistisch die häufigste Ausfallphase bei Elektronik ist (Stichwort Badewannenkurve), wie wahrscheinlich ist dann ein Totalausfall zwischen Jahr 6 und Jahr 10? Und was kostet ein Tauschgerät in 8 Jahren im Vergleich zu heute – tendenziell doch eher weniger, oder?
Dazu kommt die Frage: Was genau deckt so eine Garantieverlängerung eigentlich ab? Überspannungsschäden durch Blitz sind meist sowieso ausgeschlossen, Folgeschäden durch Ertragsausfall auch. Und wenn der Hersteller in 10 Jahren nicht mehr existiert – was dann?
Ich will hier keine pauschalen Antworten à la 'ist immer sinnvoll für die Sicherheit'. Mich interessieren fundierte Argumente, am besten mit konkreten Zahlen oder Erfahrungswerten. Hat jemand den Schadensfall wirklich mal erlebt und dabei gemerkt ob die Verlängerung was gebracht hat?
Die Frage ist berechtigt, und ich sehe das ähnlich kritisch. Ich hab mir das vor einiger Zeit für mich durchgerechnet – und der Kernpunkt ist genau der, den du ansprichst: Die Ausfallwahrscheinlichkeit folgt keiner Gleichverteilung.
Bei Leistungselektronik ist das klassische Badewannenprofil real. Frühausfälle passieren in den ersten 1-2 Jahren (meist noch in der Standardgarantie abgedeckt), danach gibt's eine lange stabile Phase, bevor ab etwa Jahr 10-15 Verschleißausfälle zunehmen. Eine Garantieverlängerung auf 10 Jahre deckt also genau die statistisch ruhigste Phase ab – und genau das wissen die Hersteller natürlich auch.
Dazu kommt: Die Preise für Wechselrichter sinken langfristig. Was heute 1.200 Euro kostet, wird in 8 Jahren vermutlich für 700-800 Euro zu haben sein – oder besser. Wer also heute 400 Euro für eine Garantieverlängerung zahlt, wettet letztlich darauf, dass sein Gerät in genau diesem Fenster ausfällt UND der Hersteller noch existiert UND die Ersatzteile verfügbar sind.
Ich hatte das auch im Kontext des Tracker-Threads erwähnt: Verlängerte Garantien klingen gut, sind aber oft reine Risikoprämie zugunsten des Herstellers. Ich würde das Geld lieber als Rücklage behalten.
Ich hab mir das aus einer etwas anderen Perspektive angeschaut, nämlich rein versicherungsmathematisch – ich rechne sowas gerne durch, seitdem ich im Ruhestand bin und endlich die Zeit dafür habe.
Wenn man unterstellt, dass ein Wechselrichter in Jahr 6-10 mit sagen wir 5-8% Wahrscheinlichkeit ausfällt (das sind Schätzwerte, echte Herstellerstatistiken bekommt man ja nicht), und ein Tausch inkl. Montage heute ca. 1.500 Euro kostet, dann ist der Erwartungswert des Schadens ungefähr 75-120 Euro. Eine Garantieverlängerung für 300-400 Euro ist dann schlicht zu teuer.
Natürlich kann man sagen: Sicherheit hat einen Wert über die reine Mathematik hinaus. Das stimmt. Aber ich erlebe das ähnlich wie bei meinen Rechnungen zu steuerlichen Abschreibungen (hab dazu was im Steuerthread geschrieben): Man sollte Zusatzkosten immer gegen den realen Erwartungswert halten, nicht gegen das worst-case-Szenario das der Verkäufer malt.
Ausnahme wäre für mich: Wenn der Hersteller die Verlängerung sehr günstig anbietet, z.B. unter 100 Euro für 5 Jahre extra, dann kann das aufgehen.
Ich kann dazu aus der Praxis was sagen. Meine Anlage läuft seit 2019, also knapp 6 Jahre. Wechselrichter läuft problemlos, kein einziger Ausfall. Ich hab damals keine Garantieverlängerung gekauft – bewusst nicht, weil ich als Elektriker weiß dass moderne Leistungselektronik in der Einlaufphase entweder gleich streikt oder sehr lange hält.
Was ich aber von Kollegen mitbekomme: Wenn der Schadensfall tatsächlich eintritt, kommt's sehr auf den Hersteller an. Bei manchen läuft das Garantieprozedere reibungslos, bei anderen ist es ein Albtraum aus Formularen und Wartezeiten. Das steht in keinem Prospekt.
Für mich persönlich: Rücklage bilden ist sinnvoller. 300 Euro auf die Seite legen und fertig. Das Geld bleibt bei mir, nicht beim Hersteller. Was die Fernwartung angeht hab ich dazu übrigens auch schon was geschrieben, da gibts ähnliche Überlegungen: Fernwartung vs. Vor-Ort-Service.
Ich plane ja selbst gerade meine Anlage und hab mich auch kurz mit dem Thema beschäftigt. Ehrlich gesagt hab ich die Garantieverlängerung erstmal als gegeben hingenommen – aber nach diesem Thread fang ich an das anders zu sehen. Die Argumentation mit dem sinkenden Preisniveau für Ersatzgeräte leuchtet mir ein, das hatte ich so nicht auf dem Schirm.