Hallo zusammen,
ich beschäftige mich seit einer Weile mit der Frage, ob und wie viel Speicherkapazität bei einem Balkonkraftwerk tatsächlich sinnvoll ist – und zwar ohne die rosarote Brille, die manche Händler und Youtuber gerne aufsetzen.
Hier ist mein Problem: Gefühlt jede zweite Empfehlung im Netz landet bei '1 kWh reicht völlig' oder 'nimm einfach 2 kWh für mehr Autarkie'. Aber wenn ich mal nüchtern nachrechne, sieht die Sache anders aus. Wir haben jetzt Juli, die Sonne scheint lang, das Mittagsloch bei typischen Berufstätigen-Haushalten ist riesig – und der Abendverbrauch ist oft kaum noch abzudecken wenn der Speicher nach dem langen Tag schon voll war und gar nichts aufnehmen konnte.
Mich würde interessieren: Wie habt ihr das konkret durchgerechnet? Ich meine wirklich mit echten Verbrauchszahlen, nicht mit irgendwelchen Durchschnittswerten von Webseiten. Wann ist der Break-even realistisch – also unter welchen Annahmen zu Strompreis, Einspeisevergütung und tatsächlichem Eigenverbrauch? Bei den aktuellen EEG-Vergütungen für Balkonkraftwerke lohnt sich Einspeisung ja de facto kaum, aber kippt das die Rechnung wirklich zugunsten eines Speichers?
Und noch ein Aspekt der selten diskutiert wird: Macht ein Smart-Home-Energiemanagement bei diesen kleinen Systemen überhaupt einen messbaren Unterschied oder ist das wieder nur ein teures Feature das kaum was bringt?
Freue mich auf ehrliche Einschätzungen ohne Marketingprosa.
Ich sag's mal direkt: Die Frage 'welche Kapazität rechnet sich' ist bei Balkonkraftwerken in den meisten Fällen falsch gestellt. Richtiger wäre: Rechnet sich ein Speicher beim BKW überhaupt?
Meine Einschätzung nach nüchterner Betrachtung: Meistens nein, jedenfalls nicht rein finanziell. Die Speicher für BKW kosten aktuell zwischen 400 und 900 Euro für 1-2 kWh nutzbar. Bei einer vermiedenen Strommenge von vielleicht 150-200 kWh/Jahr (optimistisch!) und 30 Cent Strompreis sind das 45-60 Euro Ersparnis. Ohne Degradation, ohne Verluste schon 7-10 Jahre Amortisation. Mit Degradation und realen Wandlungsverlusten von 15-20% leicht deutlich länger.
Das Smart-Home-Argument zieht bei BKW-Dimensionen kaum. Ein ordentliches Energiemanagementsystem kostet schnell nochmal 200-400 Euro extra – das lässt sich bei 800 Watt Peak schlicht nicht gegenrechnen. Ich hab mich mit ähnlich nüchternen Zahlen schon beim Thema Garantieverlängerung für Wechselrichter beschäftigt – die Denkweise ist dieselbe.
Gute Frage, die ich mir auch gestellt hatte bevor ich tiefer in das Thema eingestiegen bin. Ich hab das für meinen Haushalt tatsächlich mal spreadsheet-mäßig aufgedröselt – Beruf, zwei Kinder, Verbrauch hauptsächlich abends und morgens.
Ergebnis: Bei einem typischen 800-Watt-BKW und einem Speicher unter 1 kWh Nutzkapazität ist der Amortisationszeitraum selbst bei 32 Cent/kWh kaum unter 10 Jahre zu drücken, wenn man ehrlich mit den Ladezyklusverlusten und der Degradation rechnet. 1,5 bis 2 kWh machen das Bild etwas besser, aber eben nur wenn der Abendverbrauch auch wirklich da ist.
Zum Smart Home: Ich hab das bei mir mit einer einfachen Steckdosenautomatisierung getestet (Spülmaschine auf Mittagszeit verlegt). Der Effekt war messbar, aber ob der die Kosten eines vollwertigen Energiemanagementsystems rechtfertigt – da hab ich ehrlich gesagt Zweifel. Hab dazu auch was im Thread über Stromspeicher nachrüsten - lohnt sich das finanziell noch 2026? geschrieben, da gings zwar um größere Anlagen, aber die Logik ist ähnlich.
Ich bin da vielleicht etwas weniger analytisch als ihr beide, aber ich kann aus eigener Beobachtung was beitragen.
Ich hab seit dem Frühjahr zwei Module auf dem Balkon und ein kleines Speichersystem mit knapp 1 kWh dran. Was ich festgestellt hab: Im Sommer ist der Speicher meistens schon vor 11 Uhr voll. Dann produzieren die Module weiter und der Strom geht... irgendwohin. Also eigentlich nirgendwo Sinnvolles, weil ich tagsüber kaum zuhause bin.
Ich hab das mit meinem Messgerät verfolgt – falls jemand wissen will wie man sowas auswertet, hab ich das in einem anderen Thread mal erklärt (Welche Messgeräte braucht man als PV-Anlagen-Betreiber wirklich?). Der Speicher entlädt sich dann abends, das spürt man schon am Zähler. Ob sich das rechnet... ehrlich gesagt hab ich das noch nciht komplett durchgerechnet. Macht mir aber Freude!
KlausHoffmann trifft's im Kern, auch wenn ich ergänzen würde: Es kommt stark auf den individuellen Lastgang an. Wer im Homeoffice ist oder tagsüber Verbraucher gezielt steuern kann, hat andere Zahlen als ein klassischer Vollzeit-Pendler-Haushalt. Bei meiner Recherche zu Moduleffizienz gilt übrigens dasselbe Prinzip – die Herstellerversprechen immer mit dem eigenen Nutzungsprofil abgleichen, nicht mit irgendwelchen Durchschnittswerten. Pauschalempfehlungen helfen hier wirklich niemandem.