Hallo zusammen,
ich komme beruflich aus dem Ingenieurbereich, hab aber ehrlich gesagt wenig Zeit mich stundenlang durch Forenbeiträge zu wühlen, daher direkt die Frage:
Ich habe seit letztem Jahr eine PV-Anlage mit Stromspeicher am Laufen (10 kWp, 8 kWh Speicher, SMA Wechselrichter). Das System läuft soweit stabil, aber ich habe das Gefühl, ich schöpfe das Potential beim Eigenverbrauch nicht richtig aus. Aktuell läuft alles etwas blind – ich sehe die Gesamterzeugung und Speicherfüllstand, aber keine feingranulare Verbrauchsverteilung im Haus.
Meine konkrete Frage: Welche Sensoren macht es Sinn zusätzlich zu verbauen, um ein vernünftiges Energiemanagement hinzubekommen? Ich denke an Einzelsteckdosen mit Messfunktion, evtl. Clamp-Meter an den Hauptverbrauchern im Unterverteiler oder Phasenmessung am Zähler. Aber welche Kombination bringt wirklich was, ohne dass ich ein halbes Wochenende für die Integration verbrenne?
Besonders interessiert mich: Wo genau sitzen die relevanten Messpunkte, damit ich Verbrauchsspitzen sauber meinen Geräten zuordnen kann – Waschmaschine, Warmwasserbereitung, Klimaanlage läuft jetzt im Sommer ja auch regelmäßig. Und lässt sich das sinnvoll mit dem SMA-System verbinden oder brauche ich da eine separate Lösung?
Danke für praktische Einschätzungen.
Nach 12 Jahren Betrieb kann ich sagen: der wichtigste Messpunkt ist der Hauptzähler bzw. der Netzübergabepunkt – da willst du phasengenaue Messung haben. Alles andere ist nett, aber erstmal nachrangig.
Ich hab bei mir vor Jahren einen Victron Cerbo GX nachgerüstet, der verschiedene Datenquellen zusammenführt. Mit SMA geht das über SunSpec Modbus, sofern dein Wechselrichter das unterstützt – das solltest du vorher prüfen. Clamp-Meter direkt im UV für die großen Verbraucher (E-Herd, Warmwasser, Klimaanlage) sind sinnvoll, ich würd aber nicht jeden Stromkreis damit zupflastern. Bringt nach einer Weile mehr Datenchaos als Erkenntnis.
Für den Sommer konkret: Klimaanlage und Warmwasser sind bei mir die größten Hebel. Wenn du die sauber messen und zeitlich verschieben kannst wenn der Speicher voll ist, hast du schon viel gewonnen. Einzelsteckdosen mit Messung machen nur Sinn für Geräte die du wirklich auch schalten willst – sonst ist es reines Monitoring ohne Nutzen.
Praktischer Tip: erst messen, dann automatisieren. Nicht umgekehrt.
Ich stecke selbst noch in der Planungsphase, aber hab mich da ein bisschen eingelesen weil ich für mein Reihenhaus ähnliches vorhabe.
Für die Verbrauchserfassung am Unterverteiler schauen sich viele Leute die Shelly EM oder die Eastron SDM-Zähler an – die sitzen direkt auf der DIN-Schiene und messen phasenscharf. Kombiniert mit einem Smarthome-System kann man dann sehen, was wirklich wann läuft. Für einzelne Großverbraucher wie Waschmaschine würde ich eher smarte Steckdosen mit Messfunktion nehmen, weil die sich einfacher nachrüsten lassen ohne Elektriker.
Beim Thema SMA-Integration bin ich ehrlich gesagt noch unsicher, ob das ohne Umwege klappt. Ich hab mich im Zuge meiner Planung auch schon mit Wechselrichter-Themen beschäftigt (z.B. hier zum Thema Wirkungsgrad), aber SMA-spezifisch fehlt mir noch die Erfahrung. Vielleicht hat jemand mit längerem Betrieb da bessere Einblicke.