Hallo zusammen,
ich betreibe seit 2019 meine 9,8 kWp Anlage und fahre dazu noch ein Tesla Model 3 – also eigentlich eine ganz gute Ausgangssituation für hohen Eigenverbrauch. Trotzdem frage ich mich manchmal, ob ich wirklich alles raushole oder ob ich irgendwo Potenzial liegen lasse.
Aktuell im Sommer produziere ich teilweise so viel, dass der Speicher mittags schon voll ist und trotzdem noch ordentlich eingespeist wird. Das Auto lade ich natürlich bevorzugt tagsüber über die Wallbox, das hilft enorm. Aber was ist mit den klassischen Haushaltsgeräten? Spülmaschine, Waschmaschine, Trockner – lohnt es sich wirklich, die per Zeitschaltuhr oder Energiemanagement auf Mittagszeit zu legen, oder ist das am Ende nur Kleinkram?
Ich hab auch überlegt, ob ein zweiter Speicher Sinn machen würde, aber bei den aktuellen Einspeisevergütungen bin ich da gar nicht mehr so sicher. Rein rechnerisch ist der Eigenverbrauch zwar besser als Einspeisung, aber irgendwann hat man halt auch alles optimiert was geht.
Was sind eure Erfahrungen? Welche Maßnahmen haben bei euch tatsächlich den Eigenverbrauch spürbar erhöht und was war am Ende eher Spielerei? Mich interessieren vor allem Sachen, die man auch ohne riesigen Aufwand umsetzen kann. Freue mich auf eure Einschätzungen!
Viele Grüße
Michael
Ich bin zwar noch ganz am Anfang und hab selbst noch keine Anlage, aber die Frage interessiert mich trotzdem weil ich das bei meiner Planung direkt richtig machen will.
Bei meiner Recherche zur Speicherthematik (hab dazu auch was im Steuer-Thread gefragt) bin ich immer wieder auf das Thema Wärmepumpe gestoßen. Die soll angeblich riesige Mengen Solarstrom schlucken können wenn man sie tagsüber laufen lässt. Habt ihr das schon mal probiert oder ist das bei euch kein Thema?
Kurze Ergänzung noch: Smart-Home-Integration macht hier denke ich den entscheidenden Unterschied. Manuell Zeitschaltuhren setzen ist eine Sache, aber wenn das System automatisch auf die aktuelle Erzeugung reagiert, dann wird das nochmal eine andere Hausnummer. Hatte das in meinem Wechselrichter-Thread auch schon angesprochen – die Wahl des Wechselrichters ist dabei schon entscheidend, weil nicht alle Systeme da gleich gut mitspielen.
Hallo Michael,
interessante Frage, die mich als jemanden der gerade eine Anlage plant natürlich auch beschäftigt. Ich hab mich ja schon länger mit Energiemanagementsystemen auseinandergesetzt (u.a. in meinem Thread zu EMS-Systemen), und die Kernaussage dort war eigentlich: ohne ein vernünftiges EMS bleibt man weit unter seinen Möglichkeiten.
Die Waschmaschine per Zeitschaltuhr ist meiner Meinung nach tatsächlich eher Kleinkram – da reden wir über ein paar hundert kWh im Jahr, wenn überhaupt. Das wirklich Große ist bei dir das Auto, das hast du schon richtig erkannt. Bei einem Model 3 mit realistischen 15.000 km/Jahr sind das grob 3.000 kWh Ladebedarf – wenn du davon einen großen Teil solar abdeckst, ist das finanziell deutlich relevanter als alle Haushaltsgeräte zusammen.
Ein zweiter Speicher würde ich mir an deiner Stelle gerade im Sommer sparen. Im Winter sieht die Rechnung anders aus, aber da fehlt ja oft die Produktion. Ich wäre da skeptisch ob sich das lohnt.
Michael, ich betreibe seit 2018 eine 12 kWp Anlage mit KNX-Integration und kann aus Erfahrung sagen: die Reihenfolge der Maßnahmen macht den Unterschied.
Erste Priorität ist immer das E-Auto, das hast du schon. Bei einem typischen Fahrprofil kannst du damit locker 20-25% mehr Eigenverbrauch rausholen im Vergleich zu ohne Auto. Das ist keine Kleinigkeit.
Zweite Priorität wäre bei dir die automatisierte Gerätesteuerung. Aber – und das ist wichtig – nicht mit einfachen Zeitschaltuhren, sondern echtes lastgeführtes Schalten basierend auf dem aktuellen PV-Überschuss. Bei mir läuft das über KNX, es gibt aber auch günstigere Lösungen. Der Unterschied zu fixen Timern ist im Sommer erheblich, weil die Produktion ja täglich variiert.
Ein zweiter Speicher – da bin ich ehrlich gesagt ähnlich skeptisch wie du. Bei aktuell 8 Cent Einspeisevergütung gegen 30+ Cent Netzbezug klingt die Rechnung erstmal gut, aber die Investitionskosten für einen zweiten Speicher amortisieren sich je nach Modell erst nach 12-15 Jahren. Und ob die Technik dann noch so läuft... naja.
Was man gerne unterschätzt: der Warmwasserbereiter, falls du einen elektrischen hast. Den tagsüber mit Überschuss zu betreiben bringt bei manchen Haushalten fast so viel wie das E-Auto. Kommt natürlich auf den Verbrauch an.